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Gleichrangigkeit und Selbstorganisation versus Hierarchie?

März 16, 2008

Das zweite, „neue“ Paradigma der Gleichrangigkeit ist laut Tapscott/Williams notwendig, wenn Unternehmen mit Online Communities zusammenarbeiten wollen. Hierarchische Organisationen sind in der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an der Tagesordnung. Beispiele für Gleichrangigkeit und Selbstorganisation stammen vor allem aus dem Bereich der Open Source Softwareentwicklung. Ein anderes Produkt gleichrangiger Produktionsweise ist Wikipedia.

Hierarchische Organisationsformen haben sich über Jahrhunderte bewährt. Dadurch dass einige Wenige über viel Macht verfügen, können Entscheidungen schneller gefällt und durchgesetzt werden, als wenn zuerst lange darüber diskutiert werden muss. Problematisch wird es dann, wenn die Fehlentscheidungen Weniger viele betreffen. (vgl. Buchegger 2007)

In der Unternehmenswelt hat sich seit der 68er Bewegung ein Trend zur Verflachung der Hierarchien verbreitet (vgl. Trend 03/08).
Die Web 2.0 Technologien tragen nun zusätzlich dazu bei, dass vor allem interne Informationsflüsse neu organisiert werden können und sich dadurch einer hierarchischen Kontrolle immer mehr entziehen. Im Konzept der Enterprise 2.0 wird dabei versucht, diese Mechanismen der Überwindung von Hierarchieebenen zu Gunsten der Unternehmung zu nutzen. Gartner beispielsweise meint, dass Social Software in der Unternehmung zu den strategischen Top 10 Technologien im Jahr 2008 gehört.

Diese Technologien werden dabei in erster Linie dazu genutzt, die Zusammenarbeit bei Projekten zu verbessern.

Aber auch auch erfolgreiche Open Source Communites bedienen sich strukturierter und hierarchischer Prozesse, wenn zum Beispiel einzelne Software Patches zu einer Gesamtheit zusammengefügt werden müssen (Tapscott/Williams S.283). Ohne Kernteam, dass Koordination und Qualitätskontrolle funktioniert weder die Linux- Community noch Wikipedia. Selbstorganisation dagegen ist eher für Kleingruppen geeignet und hat positive Effekte auf die Motivation der Mitarbeiter, die Identifikation mit dem Projekt und soll auch Innovationen fördern, da sich der/die Einzelne besser einbringen kann.

Égalité war schon bei der französischen Revolution ein Schlagwort, trotzdem hört sich die Vorstellung der selbst organisierenden und nicht hierarchischen Unternehmung immer noch sehr utopisch an. Auch mit dem Web 2.0 wird sich in der nächsten Zeit die Art, wie Menschen sich organisieren meiner Meinung nach kaum Grundlegend ändern. Die neuen Methoden der Zusammenarbeit erachte ich trotzdem als eine Bereicherung und Herausforderung, denen man sich auf keinen Fall verschliessen darf.

In der Zukunft wird es vor allem darauf ankommen, die beiden Organisationsformen möglichst geschickt miteinander zu kombinieren.

Crowdsourcing oder: lass andere für dich arbeiten, am liebsten umsonst

Februar 24, 2008

Welcher Community gehörst du an? Hast du schon ein Profil auf Facebook, StudiVZ oder MySpace, oder gar mehrere? Somit hast auch du schon ein Teil des Web selber gestaltet und programmiert. Und damit auch gleichzeitig zur Wertsteigerung deiner Community Webseite beigetragen.

Für 580 Millionen US $ wurde MySpace im Jahr 2005 vom Medienmogul Rupert Murdoch gekauft. Der Wert des Unternehmens beruht jedoch fast ausschliesslich aus den von den Usern gestalteten Inhalten. Millionen von Menschen haben mit ihrer eigenen Zeit und technischen Infrastruktur ihr Scherflein zum Wert von MySpace beigetragen. Ähnlich verhält es sich bei anderen Webseiten wie Youtube, Flickr etc. Auch in SecondLife wird die virtuelle Welt massgeblich von den Usern selber gestaltet. Dieses Vorgehen der Nutzung von Zeit, Fähigkeiten und Ressourcen von Community Mitgliedern wird auch als Crowdsourcing bezeichnet. Findige Manager wollen nun dieses Crowdsourcing Potential für ihr Unternehmen nutzen. Ein Beispiel dafür ist die Firma IBM, die zuerst die Open Source Software Apache unterstützte und mittlerweile in der Linux Community mitarbeitet. (vgl. Tapscott/Williams S.76ff)
Dabei gibt IBM derzeit jährlich rund 100 Millionen Dollar für die Linuxentwicklung aus, hauptsächlich indem IBM Angestellte an den Linux Projekten mitarbeiten. In der Linux Community arbeiten jedoch gleichzeitig tausende von findigen Köpfen mit und werden dabei gewissermassen ein Teil der Entwicklungsabteilung von IBM. Die Entwicklung und der Unterhalt eines proprietären Betriebssytems würde IBM hingegen eine Milliarde US $ pro Jahr kosten (Cawley in Tapscott/Willams S. 81).

Fortgeschritten ist das Crowdsourcing bei den so genannten Human Intelligence Tasks (HIT). Dies sind Arbeiten, die für den Computer sehr schwierig zu bewältigen sind, für einen Menschen hingegen sehr einfach. Dazu gehört zum Beispiel die Beschlagwortung von Bildern oder die Korrektur von computererzeugten Texten. Die Online Agentur Mechanical Turk, welche ein Teil von Amazon ist, vermittelt zwischen Unternehmungen und InternetnutzerInnen solche Human Intelligence Tasks. Internetnutzerinnen können sich so beim Zeitvertreib im Netz sogar etwas Geld verdienen, das sie für ihre Tätigkeit im Stücklohn entschädigt werden. In speziellen Foren wie Turker Nation tauschen die Online-TaglöhnerInnen jeweils ihre Erfahrungen aus und warnen ihre Kolleginnen und Kollegen vor Unternehmen mit schlechter Zahlungsmoral.

Diese Form von Telearbeit wird generell sehr schlecht bezahlt. Lohnnebenleistungen sind nicht inbegriffen und man riskiert, dass die geleistete Arbeit vom Unternehmen abgelehnt wird, um nicht zahlen zu müssen. Seine Existenz wird man sich auf diese Weise nicht sichern können.