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Bibliotheken und User Generated Content

Mai 5, 2008

Die meisten von uns haben schon die Erfahrung gemacht, dass die erfolgreiche Suche nach Literatur und Information im Bibliothekskatalog gewisse Erfahrung benötigt. Sehr oft dient deshalb die Suche im WWW als Ausgangspunkt einer Recherche. Damit diese Suche letztlich wieder in die Bibliothek zurück führt, woran uns als Information Professionals unbedingt gelegen sein muss, ist es notwendig, möglichst viele „Links“ zwischen dem WWW und der Bibliothek zu schaffen.

Eine Möglichkeit dieser Verlinkung sieht Xan Arch von der Stanford University im Social Tagging.

Einerseits betreiben Bibliotheken selber Seiten auf del.icio.us oder CiteULike, andererseits binden sie diese Inhalte in ihre Webseiten und Kataloge ein. Ein Beispiel dafür ist die Webseite PennTags, der University of Pennsylvania.

Auf diese Weisen können die Bibliotheken die Online Community einspannen, neue Informationen zu erschliessen, was gerade bei der grauen Literatur, die heute oft online veröffentlicht wird, sehr nützlich ist. Social Tagging Seiten wie CiteULike und Connotea verfolgen schliesslich einen akademischen Ansatz.

Eine weitere für Bibliotheken interessante Webseite ist LibraryThing. Immerhin machen die grösste Gruppe in dieser Comunity, wo jede und jeder seine private Bibliothek verwalten kann die Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus. Wichtig sind vor allem Buchrezensionen und Informationen über Neuerscheinungen. In der Bookswapping Liste der Seite, können Bibliotheken gar ihre ausgemusterten Bücher los werden. (vgl Figge/Kropf S9.)

Information Professionals kommen nicht darum herum Web 2.0 Technologien für sich und ihre Institutionen zu nutzen. Der Kundenkontakt wird so verbessert.

Kollektives Vokabular aus Social Tagging Seiten muss in die professionellen Klassifikationen einfliessen. Dies auch weil der Sprachgebrauch der Communities dynamisch ist und auf Trends und Entwicklungen reagiert. (vgl Heller S. 11)

Die Kollektive Intelligenz der online Communities

April 13, 2008

Ein interessanter Aspekt von Online Kollaboration, den Tapscott/Williams (S.42) in ihrem Buch nur kurz ansprechen ist das Phänomen der kollektiven Intelligenz. Dabei wird angenommen, dass eine möglichst heterogene Gruppe zu intelligenteren Lösungen kommt, als zum Beispiel eine spezialisierte Expertengruppe. Eine Firma die kollektive Intelligenz zu nutzen versucht ist Marketocracy, wo Aktienhändler virtuelle Aktienportfolios unterhalten. Die Strategien der 100 besten Händler werden vom Investmentfonds von Marketocracy kopiert und konkret angewandt.

Der Investementfonds von Marketocracy schneidet laut Tapscott/Williams (S. 24) regemässig besser ab, als der S&P 500 Index . Eine andere Firma, die kollektive Intelligenz konsequent anwendet ist Amazon mit ihrem Ratingsystem, das erlaubt Bücher, Filme etc zu bewerten.

Laut dem Massachussets Institute of Technology MIT, welches das Phänomen der kollektiven Intelligenz untersucht, sind Faktoren wie Vielfältigkeit ,hierarchische neben nicht-hierarchischen Strukturen, modularisierte, dezentrale Aufgaben, ein dichtes Kommunikationsnetz, Anreizsysteme, gemeinsames Vokabular und gemeinsame Infrastruktur sowie gegenseitige Aufmerksamkeit und gegenseitiges Lernen für das Gelingen von kollektiver Intelligenz notwendig. Hemmend wirken dagegen persönliche Voreingenommenheit, enge Bandbreite in der Auswahl der Teilnehmer, mangelnde soziale Verbundenheit sowie kulturelle Grenzen.

Angewandte Forschung betreibt das MIT bezüglich kollektiver Intelligenz in den Bereichen innerorganisationale Zusammenarbeit, Klimawandel, Gesundheitswesen und kollektive Prognostik .

Das wohl bekannteste Produkt kollektiver Intelligenz ist die online Enzyklopädie Wikipedia, welche den Vergleich mit der Encyclopaedia Britannica bei einer Untersuchung der Fachzeitschrift Nature weitgehend standhielt. Auch mit der Onlineausgabe des Brockhaus kann sich Wikipedia messen.

Kritikpunkte der kollektiven Intelligenz sind der menschliche Herdentrieb oder das

Informational Cascading, welches aussagt, dass wir massenhaft geäusserten Ansicht eher zustimmen als wiedersprechen.

Ein weiterer Ansatz zur Nutzung der kollektiven Intelligenz besteht im gemeinschaftlichen Indexieren, auch bekannt als Social Tagging. Dabei entstehen die so genannten Folksonomien, die Taxonomien von unten, die Webinhalte klassifizieren.

Auch auf Seiten wie del.icio.us oder citeulike entstehen Folksonomien. Ob Melvil Dewey an einer Folksonmie Freude gehabt hätte, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln, ist das Erstellen einer Klassifikation wie das Beschlagworten von Information die Kernkompetenz der InformationswissenschaftlerInnen, und die möchte man sich nicht von Amateuren streitig machen lassen.

Library 2.0 Konzepte führen in dieser Hinsicht zu einem Paradigmenwechsel. Objektzentrierte soziale Netzwerke nehmen dabei eine immer wichtigere Rolle ein im Erschliessen von Informationen, die sich heute auch in Blogs etc. finden (Danowski und Heller 2006, S.4). Danowski und Heller schlagen deshalb vor dass „kontrollierte Taxonomien, wie sie traditionell in Dokumentations- und Bibliothekssystemen eingesetzt werden, und rein durch offene Benutzergemeinschaften gesteuerte Folksonomien, können miteinander ’sprechen’ und voneinander lernen“ (ebd.).