Prinzipien, treibende Kräfte und Strategien
März 3, 2008Was gehört alles zu Wikinomics? Wie äussert sich Wikinomics in der realen Welt. Welches sind die treibenden Kräfte und die Prinzipien hinter Wikinomcs? Klicke auf das Icon zur Vergrösserung.
Tapscott/Williams führen in ihrem Buch die vier Paradigmen Offenheit, Gleichrangikeit, Teilen und Globales Handeln auf. Diese Paradigmen sind die Voraussetzung für das Funktionieren von Wikinomics. Zukunftsgerichtete Unternehmungen sollten ihre Firmenkultur nach diesen Paradigmen ausrichten. In diesem Blogeintrag wird auf das erste Paradigma der Offenheit eingegangen. In den folgenden zwei Blogeinträgen soll die Gleichrangigkeit wie das Teilen etwas näher betrachtet werden. Die Phrase des “Globalen Handelns” scheint eher weniger Wikinomics-spezifisch und wird deshalb nicht genauer beschrieben.
Traditionelle Unternehmungen sind oft geschlossene Einheiten. Dies aus der Überzeugung, dass firmeninternes Know-how zu schützen ist, da es zu den Kernkompetenzen zählt. Vor allem die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sind die Bereiche grösster Geheimhaltung.
Durch Offenheit sollen die Unternehmensgrenzen durchlässiger werden. Ideen von aussen sollen in die Unternehmung dringen können und Produkte und Innovationen beeinflussen. Dies kann einerseits geschehen indem die Kunden als Prosumenten in den Produktionsprozess einbezogen werden oder indem Unternehmungen auf Ideenbörsen nach neuen Innovationen Ausschau halten oder selber Wettbewerbe für Problemlösungsvorschläge ausschreiben. Ein Beispiel für die Offenheit ist der Kanadische Rohstoffförderer Goldcorp.
Ende des letzten Jahrtausend war Goldcorp in einer Krise. Die hauseigenen Geologen waren nicht in der Lage neue Goldvorkommen zu erschliessen und die Firma war dem Ruin nahe, als der CEO von Goldcorp beschloss, den Goldcorp Challenge auszuschreiben und im www sämtliche Daten der Schürfgebiete von Goldcorp zu veröffentlichen. Brauchbare Vorschläge für neue Fundstellen wurden mit einem Preisgeld von über einer halben Million $ prämiert. Der Wettbewerb stiess auf reges Interesse und die neuen Vorschläge brachten für Goldcorp die Wende. Der Unternehmenswert stieg von 100 Millionen $ auf 9 Milliarden $ (Tapscott/Williams S. 9).
Heute, wo es Goldcorp wieder gut geht, ist es mit der Offenheit allerdings nicht mehr so weit her. Auf der Homepage von Goldcorp sind jedenfalls keine Daten mehr über die Schürfgebiete zu finden.
Tags: Gleichrangigkeit, Globales Handeln, Goldcorp, Offenheit, Teilen, Wikinomics
März 10, 2008 um 1:01 Uhr nachmittags
Hallo Rolf,
in diesem Artikel bestätigst du ein Gefühl, das ich bei der Recherche zu diesem Thema erlangt habe. Die Idee Wikinomics klingt zwar sehr innovativ und fortschrittlich, doch spätestens wenns ums Geld geht, ist auch dieses Prinzip gar nicht mehr so tolerant und gemeinschaftlich wie es immer propagiert wird.
Das Beispiel von Goldcorp wird ja oft als Paradebeispiel für die Idee “Wikinomics” aufgeführt, wie z.B. auch in diesem Artikel http://www.computerwoche.de/it_strategien/it_management/1847626/index.html der Computerwoche.de.
Pikant, wenn man erfährt, dass das Unternehmen sich nach der erfolgreichen Sanierung der Finanzen wieder aus dem “gemeinschaftlichen” Bereich zurückzieht.
Die Idee des gemeinschaftlichen Erarbeitens finde ich an und für sich nicht schlecht, doch sind Probleme im Bereich der Würdigung der Mitarbeit nicht zu übersehen.
Sobald Firmen sich mit dem Wissen anderer eine goldene Nase verdienen, wird es früher oder später zu Konfrontationen kommen. Ein gemeinschaftliches Arbeiten könnte ich mir aber in NGOs vorstellen oder Bereiche, wo der Kapitalismus nicht gross geschrieben wird.
Mich würde es noch interessieren, wie es aussieht mit den Endprodukten einer solchen Arbeitsweise.
Ich kann mir vorstellen, dass bei einer Mitarbeit der Allgemeinheit oft auch untaugliche bzw. mittelmässige Beiträge geliefert werden. Lohnt es sich dann eine Website / Forum zu betreiben und alle diese Beiträge durchzulesen, um die paar hilfreichen Posts zu finden? Geht Tapscott eventuell auf diese Prbolematik ein oder ist der Aufwand im Vergleich zum Ertrag vernachlässigbar?
Liebe Grüsse
Rea
März 16, 2008 um 4:24 Uhr nachmittags
Hoi Rea
Tapscott bleibt bei seinen Ausführungen von Wikinomics oft schwammig und erläutert in seinem Buch keine konkrete Vorgehensweise. Ich denke die erarbeitet er auf Wunsch und Bezahlung mit der Unternehmung zusammen, sein Beruf ist schliesslich Unternehmensberater.
Dass durch so genannte offene Unternehmensgrenzen neue, zusätzliche Informationen fliessen ist meiner Meinung nach nicht unproblematisch. Ich habe darauf in meiner Präsentation kurz hingewiesen, indem ich erwähnt habe, dass die Datenflut durch diese Methoden weiter zunimmt. Dies ist natürich die Herausforderung, der sich der Chief Information Officer zu stellen hat. Ohne Informationsmanagement wird’s kaum gehen.
Rolf